RSSL
Zarahs Bild | Srahs Blog | Other | Affilates | link
Spätsommerhitze


Es war ungewöhnlich warm im Gemeinschaftsraum.
Die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers waren längst verschwunden, doch ihre Hitze war immer noch zu spüren & ließ die Luft flimmern. Sirius starrte aus dem Fenster, versuchte angestrengt nicht die einzige Person, die außer ihm noch im Raum war, anzusehen. Der Himmel war wolkenlos, er konnte die helle Scheibe des Mondes sehen, die langsam höher stieg, schon fast voll.
Seine Finger spielten mit dem Dosenverschluss des Biers, das er in der Hand hielt. Er wusste nicht, ob er wirklich wütend war, wütend sein wollte, dass sie beide als einzige bei der Expedition heute Abend nicht dabei waren. & das alles nur, weil er seine Klappe nicht halten konnte. Er wusste auch nicht, ob ER wütend war. Ob ihm das vielleicht sogar lieber wäre. Wenn ER ihn ignorieren würde, wie immer, wenn ER sauer auf ihn war, dann wäre alles viel leichter.
Glaubte er zumindest.
Sirius konnte jemanden hinter sich atmen hören, ganz leise. Er drehte sich nicht um.
„Heh, Sirius…“
Sirius Finger schlossen sich enger um die Bierdose & sein Atem beschleunigte unfreiwillig. Er hoffte inständig, ER würde es nicht merken. Er klang heiser, als er antwortete.
„Was denn – Remus?“
Eine Hand berührte sachte seinen Arm. „Bist du wütend? Weil du nicht mitdarfst?“
Sirius dachte eine Weile darüber nach, was er antworten sollte, ob er überhaupt antworten sollte. Dann sagte er bedächtig: „Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht.“
Er biss sich auf die Lippen, atmete einmal tief durch & drehte sich dann um. Starrte Remus direkt in die Augen, in diese unglaublich braunen Augen. & war sich auf einmal gar nicht mehr so sicher, ob die Hitze im Raum wirklich allein von der Sonne stammte.
Das Dämmerlicht im Raum tauchte Remus’ Gesicht in Schatten, sein Körper wurde fast völlig von dem aufziehenden Schwarz verdeckt, doch trotz allem ging ein unheimliches Leuchten von ihm aus, das seinen Ursprung in seinen Augen zu haben schien, die ihn jetzt mit diesem Blick ansahen, den Sirius noch nie hatte deuten können.
Sirius Lippen waren trocken und gesprungen. Er leckte langsam darüber, konnte seinen Blick immer noch nicht von dem Gesicht seines Gegenübers lösen.
Er sah, wie Remus den Mund öffnete, etwas sagte, doch die Worte erreichten ihn nicht. Die Zeit schien still zu stehen, er konnte Staubflocken im Dämmerlicht tanzen sehen, die Bierdose in seiner Hand war angenehm kühl-
„Sirius! Hörst du mir zu?“
Die Finger an seinem Arm packten zu & schüttelten ihn leicht. Sirius starrte ihn an.
„Entschuldige, ich…“
Remus seufzte & kniete sich vorsichtig vor ihn hin. „Was ist los mit dir, Sirius? Du bist so komisch, mir gegenüber, in letzter Zeit. Komm schon, sag mir was los ist.“
& plötzlich waren die Augen ganz nah & Sirius konnte jeden einzelnen bernsteinfarbenen Sprenkel in ihnen erkennen. Remus’ Atem strich ganz leicht über sein Gesicht, so dass sich die feinen Härchen auf seiner Wange aufstellten. Eine süße Schwere stieg langsam in ihm auf.
Der Alkohol? Wohl kaum.
Sirius streckte langsam seine Hand aus, seine Finger berührten sanft Remus’ Wange. Sein Mund stand leicht offen, sein Atem ging schnell, unregelmäßig & diese Augen, diese Augen machten ihn verrückt, er wusste nicht mehr was er tat…
Ganz, ganz langsam beugte er sich vor, schloss die Augen & legte sacht seine Lippen auf die von Remus. Sein Herzschlag stoppte & die Welt verschwamm zu einem Gebilde von Formen & Farben, seine Finger gruben sich in das honigbraune Haar, alles, alles, alles war auf einmal so richtig…
Zwei Hände legten sich auf seine Schultern & schoben ihn sanft weg.
Zwei braune Augen fixierten ihn, mit einem Blick der so zärtlich war, dass es schmerzte zurückzuschauen.
„Du bist betrunken, Sirius. Lass das.“
Sirius starrte erst ihn an, dann die Bierdose in seiner anderen Hand. Sein Hirn, das noch von Reizen überflutet wurde, brauchte eine Weile, um das alles zu begreifen.
Er versuchte zu sprechen. Sein Mund öffnete & schloss sich wieder. Sein Hals war trocken. Das Herz klopfte ihm bis zum Hals.
„Ich…“ Er schluckte. Senkte den Blick. Fühlte sich leicht benebelt, wie als wäre sein Hirn in Watte gepackt worden. Die Bierdose rutschte ihm langsam aus der Hand, fiel zu Boden, der Inhalt ergoss sich über den Teppich.
„Tut mir leid…“, murmelte Sirius leise.
Er war sich nicht sicher, ob er Remus auch geküsst hätte, wenn er nicht betrunken gewesen wäre. Remus seufzte, schüttelte leicht den Kopf. Sah ihn ein bisschen traurig an, wollte sich aufrichten & gehen.
Aber das war das letzte was Sirius wollte. Er schloss seine Hände schnell um Remus Finger, zog ihn zu sich her. Spürte wie etwas Schweres auf ihm landete. Legte die Arme um den warmen Körper auf ihm & hielt ihn einfach nur fest. Vielleicht war es genau das, was er wollte. Ihn einfach nur festhalten & nicht mehr loslassen. Nie wieder. Nicht mehr als das.
Remus’ Atem strich ganz sacht an seinem Ohr vorbei. Sirius spürte tastende Finger, die sich langsam seinen Rücken hocharbeiteten. An seinen Schulter zum Halt kamen.
Er war sich jetzt vollkommen sicher. Er war nicht wütend, wollte nicht wütend sein, dass sie die einzigen waren, die bei der Expedition nicht dabei sein durften. Die Hitze im Raum hatte sich verflüchtigt. Die beiden Personen am Fenster merkten es nicht einmal.
Sirius’ konnte keinen klaren Gedanken fassen. Der einzige Satz, der ihm immer wieder im Kopf herumging war: ‚Küss ihn. Jetzt.’
Plötzlich hörte er ein leises Knarren. Das Portraitloch bewegte sich langsam zur Seite. Ihre Klasse war zurück. & er verfluchte sich selbst, dass er den Moment nicht genutzt hatte. Wieder nicht genutzt hatte.
Er konnte spüren wie Remus, der sich die letzten Minuten (Stunden, Tage, Jahre?) nicht bewegt hatte, vorsichtig regte. Sich ganz langsam seiner Umarmung entzog. Vorbei, alles, er könnte weinen.
Sirius spürte eine warme Hand auf seiner Wange. Zwei weiche Lippen, die ihn kurz streiften. Dann war die Wärme, die ihn umhüllt hatte, fort. & er saß einfach nur da & konnte es nicht fassen.
Vielleicht nächstes Mal. An einem ruhigen Abend. Mit ein bisschen Alkohol…
Der Geruch des Biers, das sich auf dem Teppich ausgebreitet hatte, stieg ihm in die Nase. Er hörte das Gelächter der anderen Griffindors, es klang so schrill in seinen Ohren. Dort wo Remus ihn berührt hatte prickelte seine Haut noch ganz leicht. Er nahm die anderen Leute nur als Silhouetten war & im Moment hasste er alles & jeden, aber besonders sich selbst.
„Scheiße… Ich liebe dich.“



© by Xeni.
Gratis bloggen bei
myblog.de

Home GB
Autoren Abo


- - - - -
Layout© by the.rssl.team!